Wenn die Seele aus dem Gleichgewicht gerät

Experten schätzen, dass etwa ein Fünftel aller Erwerbstätigen an einem Burnout-Syndrom leidet oder bereits eine Burnout-ähnliche Phase durchlaufen hat. Doch was ist Burnout eigentlich genau? Wie es sich zeigt und welche Hilfe Betroffene in Anspruch nehmen können, erfahren Sie hier.

Termindruck, ständige Erreichbarkeit, anspruchsvolle Kunden – viele Menschen arbeiten heute an der Belastungsgrenze. Dazu muss noch das Privatleben organisiert werden. Manchmal, wenn der Stress anhält und die Erholungsphasen immer kürzer werden, kann eine totale Erschöpfung die Folge sein.

In den 1970er Jahren entstand dafür der Begriff „Burnout“. Der deutsch-amerikanische Psychotherapeut Herbert Freudenberger (1926–1999) hatte sich mit dieser (beruflichen) Überlastung beschäftigt und zum ersten Mal den Begriff des „Ausgebranntseins“ beschrieben. Betroffene fühlen sich emotional, seelisch und körperlich erschöpft, sind meist nur noch bedingt leistungsfähig.

Welche Menschen besonders gefährdet sind

Besonders gefährdet sind Menschen in sozialen Berufen, die sich stark für andere Menschen einsetzen. Dazu zählen Krankenschwestern, Altenpfleger, Ärzte, Lehrer und Sozialpädagogen. Längst lässt sich das Syndrom aber auch auf andere Bereiche übertragen. Selbst Schüler sind immer häufiger betroffen.

Die Corona-Pandemie mit ihren Einschränkungen und Kontaktverboten hat die psychische Gesundheit vieler Menschen zusätzlich belastet. Mittlerweile ist gar von Corona-Burnout oder Homeoffice-Burnout die Rede.

Abgrenzung von der Depression

Allerdings gilt das Burnout nicht als Krankheit an sich, und vor allem kann es nicht mit einer Depression gleichgesetzt werden. Das Burnout-Syndrom entsteht in einem gewissen Zusammenhang mit einer dauerhaften Überlastung, ist also kontextbezogen. Die Depression dagegen ist in der Regel losgelöst von einem bestimmten Kontext. Es sind oft alle Lebensbereiche betroffen. In einem schweren Fall von Burnout kann eine Depression oder eine andere psychische Erkrankung allerdings hinzukommen.

Psychische Symptome bei Burnout

Betroffene sollten sich rechtzeitig an einen Arzt oder Therapeuten wenden – dann sind die Chancen für eine Heilung gut. Wichtig ist es daher, Symptome frühzeitig zu erkennen und richtig zu deuten. Menschen, die besonders gefährdet sind, engagieren sich sehr. Dieses Engagement kann zunächst so weit gehen, dass sie sich zunehmend müde und erschöpft fühlen. In ihrer freien Zeit finden sie kaum noch Erholung.

Dieser Zustand geht über in eine komplett verminderte Belastbarkeit. Die Müdigkeit wird zum Dauerzustand. Gleichzeitig sind die Betroffenen unruhig, nervös und gereizt. Am Ende schließlich können Entscheidungsschwäche, Resignation, Entmutigung sowie Antriebslosigkeit und Niedergeschlagenheit stehen. Die Abgrenzung zur Depression fällt hier schwer.

Körperliche Beschwerden

Neben den emotionalen Symptomen treten oft auch körperliche Beschwerden auf. Etwa kann das Immunsystem geschwächt werden, und die Infektanfälligkeit steigt. Auch Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Verdauungsprobleme, Rückenschmerzen oder Schwindelgefühle können auftreten.

Leidet jemand unter andauernder Überforderung, erhöht sich außerdem die Suchtgefahr. Die Betroffenen entwickeln Strategien, um sich kurzzeitig besser zu fühlen. Wenn das ungünstige Strategien sind, wie der Griff zu Tabak, Alkohol oder Drogen, können schwerwiegende gesundheitliche Beeinträchtigungen drohen. Ähnlich folgenreich verhält es sich mit einer Zuckersucht. Wenn also der Stress mit Belohnungen in Form von kalorienreichen und nährstoffarmen Produkten wie Schokolade kompensiert wird.

Tipp: Wie hoch das persönliche Burnout-Risiko ist, lässt sich anhand eines Fragebogens testen, der den Schweregrad von Burnout in unterschiedlichen Bereichen erfasst.

Was die Krankenkassen leisten

Zunächst gilt es, sich bewusst zu werden, überlastet zu sein. Es ist dann ratsam, aus dem Zustand der ständigen Erschöpfung herauszufinden. Vor allem mit Freizeitgestaltung, die Spaß macht, aber auch Sport oder Bewegungstherapien können hier helfen. Experten raten außerdem, auf ausreichend Schlaf zu achten und sich regelmäßig kleine Rückzugszeiten zu schaffen, um zu entspannen.

Die Krankenversicherungen, gesetzlich wie privat, übernehmen in der Regel auch eine bestimmte Anzahl an Stunden bei einem Psychotherapeuten. Auch eine mehrwöchige Kur in einer psychosomatischen Klinik kann mit Hilfe des behandelnden Arztes beantragt werden.

Bei privaten Krankenversicherungen gibt es jedoch auch Tarife, die Kosten für eine psychiatrische Behandlung ausschließen. Darum ist es wichtig, sich bei Auswahl eines Tarifs über die Leistungsmerkmale klar zu sein.

Extra-Tipp: Eine private Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) ist die einzige Möglichkeit, psychische Erkrankungen wie Burnout zu versichern. Auch wenn Burnout keine anerkannte Krankheit ist, erkennen viele BU-Versicherer die chro­nische Erschöpfung dennoch als Ursache für Berufs­unfähig­keit an.

Quelle: https://www.deshalb-versichern.de/

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